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3 Tipps für mehr Zuversicht:
Mut kommt nach dem Start

Warum Zuversicht erst nach dem Handeln entsteht, warum gutes Zureden so wenig hilft und drei Wege, den ersten Schritt trotzdem zu gehen.

Von Julia Grebe · Mai 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Zuversichtlich in die Zukunft zu schauen ist wundervoll. Das Gefühl von Sicherheit, Stärke und Selbstvertrauen gibt uns die Gewissheit, dass wir schon schaffen, was auch immer auf uns zukommt. Wenn wir uns einer Aufgabe mit Zuversicht widmen, denken wir nicht viel über mögliches Scheitern nach. Wir tun es einfach.

Aber wenn wir uns unsicher fühlen? Das ist eine andere Geschichte. Das Gefühl von Stärke und Selbstvertrauen ist verschwunden und wird von Zweifel und Zögern ersetzt. Wir sind durch unsere Gedanken darüber abgelenkt, wie unvorbereitet wir sind. Wir möchten uns manchmal am liebsten verstecken. Das ist so unangenehm und oft so vertraut.

Mit 18 Jahren fiel ich durch die Führerscheinprüfung. Meine ganze Zuversicht war dahin. Ich sah mich in einem freud- und autolosen Leben. Noch dazu war es die erste wichtige Prüfung, die ich nicht bestanden hatte, und das auch noch kurz vor der Abiturprüfung. Ich zweifelte an mir und hatte Panik, nicht perfekt vorbereitet zu sein. Nach vielen Jahren ist mir heute klar: es geht immer irgendwie. Ja, ich habe den Führerschein im zweiten Anlauf bekommen, und ja, ich habe auch mein Abitur bestanden. Trotzdem bin ich seitdem in Prüfungen gescheitert, musste berufliche und private Risiken eingehen. Hin und wieder verlässt mich das Selbstvertrauen auch heute noch. Eine Sicherheit habe ich allerdings mitgenommen: die Zuversicht, mit jeder Planänderung und Lebensumleitung schon klarzukommen. Dieses Wissen stärkt mich. Oft genug haben genau die Momente, in denen ich unsicher und zweifelnd neue Wege eingeschlagen habe, zu den besten Ergebnissen geführt.

Dass es ausgerechnet die holprigen Wege sind, an denen ich hinterher am meisten hatte, ist übrigens kein Zufall meiner Biografie. Es ist die Regel.

Das Paradox der Zuversicht

Zuversicht ist paradox: wir möchten uns zuversichtlich fühlen, bevor wir etwas tun, das neu und riskant ist. Allerdings erleben wir das Gefühl meist erst, wenn wir es getan haben. Die Zuversicht, die wir uns wünschen, kommt nach dem Handeln und nicht vorher. Selbst, und grade, wenn das Ergebnis anders ist als erwartet.

Das ist keine Kalenderspruchweisheit, sondern seit fast fünfzig Jahren gut untersucht. Albert Bandura hat beschrieben, woraus sich das Zutrauen in die eigene Bewältigungsfähigkeit überhaupt speist, und er hat vier Quellen dafür gefunden. Ganz vorn und mit Abstand am wirksamsten: eigene Erfolgserlebnisse. Dahinter, deutlich schwächer: zu sehen, dass andere es geschafft haben. Und dann, noch weiter hinten: Zuspruch von außen.

Diese Rangfolge erklärt eine Erfahrung, die vermutlich jeder kennt. Man bekommt gut gemeinten Zuspruch, nickt dankbar, und ist eine Stunde später genauso mutlos wie vorher. Das liegt nicht daran, dass man undankbar wäre oder besonders schwer zu erreichen. Reden ist einfach die schwächste der vier Quellen.

Nebenbei ist das auch der Grund, warum in meinen Seminaren geübt und nicht doziert wird. Ein guter Vortrag über Konfliktgespräche ändert wenig. Ein geführtes Konfliktgespräch schon.

Was wirkt, ist getan zu haben. Und zwar besonders dann, wenn es unterwegs schwierig war. Eine Schwierigkeit, die man überwunden hat, trägt weiter als ein glatter Erfolg, weil sie beweist, dass man auch dann klarkommt, wenn etwas schiefgeht.

Womit wir bei einem Punkt wären, der sich erst einmal unfair anfühlt. Die Zuversicht kommt, wenn Sie angefangen haben. Den ersten Schritt machen Sie also ohne sie. Falls Sie gerade davorstehen: Das geht allen so. Und es wird ab dem zweiten Schritt spürbar leichter.

Was Sie sich in der Zwischenzeit ersparen können, sind Vorwürfe an sich selbst. Die machen es messbar schwerer: Wie ein Gewissen schlecht werden kann.

Im Kern bedeutet Zuversicht das Vertrauen in uns, dass wir mit dem Ergebnis schon klarkommen, egal wie es aussieht. Sobald wir uns unsicher fühlen, ist das ein Zeichen dafür, dass Angst unser Handeln beeinflusst und dafür sorgt, dass wir uns mit den negativen „Aber was wenn“-Gedanken beschäftigen.

Diese ängstliche Seite in uns ist wichtig und verdient, gehört zu werden. Sie sorgt dafür, dass wir Risiken abwägen, uns Zeit lassen und möglichst viele Konsequenzen bedenken. Allerdings können wir die Konsequenzen von etwas, das wir noch nie getan haben, nur erraten. Wir bauen häufig Widerstände und Unsicherheit über eine unvorhersehbare Zukunft auf. Der Widerstand kann sehr effektiv sein, besonders wenn wir uns daran gewöhnt haben, zurückzuweichen und der Angst nachzugeben.

Was können Sie also tun, um zuversichtlich zu sein, bevor Sie das Ergebnis Ihres Handelns kennen?

Tipp 1: Auf die Plätze, los, fertig

Wenn Sie dem traditionellen Ablauf „Auf die Plätze, fertig, los“ folgen, werden Sie vermutlich nie starten. Machen Sie sich klar, dass Sie sich so fühlen, als wären Sie noch nicht fertig, und seien Sie bereit, trotzdem loszulegen. Vielleicht wackeln Ihre Knie und Ihr Herz klopft wie verrückt: das ist ok. Lassen Sie Ihren nächsten Schritt einen Schritt vorwärts sein.

Fortschritt heißt ja auch nicht, ewig in eine Richtung weiterzulaufen. Es heißt, einen Platz zu finden, an dem man wieder eine Weile stehen bleiben kann.

Laufen Sie los, damit Sie diesen Platz finden können. Jeder Schritt lässt Sie vorankommen und stärkt Ihre Zuversicht, dass es weitergeht.

Tipp 2: Lernen Sie das Unfertige zu schätzen

Lassen Sie die Idee los, dass es nur ein oder zwei „richtige“ Wege gibt, etwas zu tun. Verabschieden Sie sich vom Gedanken, alles bereits vor dem Startschuss perfekt geplant, durchdacht und vorbereitet zu haben. Die Suche nach der einen richtigen oder perfekten Antwort ist auch nur ein Widerstand, den es zu überwinden gilt. Wenn Sie warten, bis Sie etwas perfekt können, werden Sie nichts tun.

Im Gegenteil: wir wachsen dann am meisten, wenn wir uns mit unvorhergesehenen Ereignissen auseinandersetzen müssen. Beim Improvisieren werden wir kreativ und sehen neue Lösungen, die wir vorher nicht in Betracht gezogen haben. Jedes überwundene Hindernis stärkt Ihre Zuversicht, dass Sie auch das nächste Mal eine Lösung finden werden.

Lösen Sie sich von unerreichbaren Ansprüchen, sodass Sie genau da starten können, wo Sie sind.

Dass sich Fortschritt beim Üben oft gar nicht anfühlt wie Fortschritt, ist übrigens gut untersucht: Segeln lernt man nicht bei Windstärke 12.

Tipp 3: Kennen Sie Ihr „Warum“

Was ist das größere Bild? Was ist Ihr Ziel? Ihr Traum? Behalten Sie Ihren Traum vor Augen, um sich zu motivieren, wenn ein innerer Widerstand Sie zurückhalten möchte. Was jetzt schwierig wirkt, wird es wert sein, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben. Zuversicht entsteht, wenn wir wissen, warum wir die Mühen auf uns nehmen und Ängste überwinden sollten.

Starten Sie bei der kleinsten Herausforderung, um Ihre Zuversicht zu üben. Kleine Schritte sind leichter zu erreichen und geben Ihnen sofort Feedback zu Ihrem Handeln. Sie können stolz sein auf jeden gegangenen kleinen Schritt, der Ihre Zuversicht in Ihr Handeln bestärkt. Je mehr Sie üben, desto leichter wird es Ihnen fallen, sich zuversichtlich auf Neues einzulassen.

Woher die Angaben stammen

Das Konzept der Selbstwirksamkeit und ihrer vier Quellen beschrieb Albert Bandura in „Self-Efficacy. Toward a Unifying Theory of Behavioral Change“, Psychological Review 84/2 (1977), Seiten 191 bis 215, und ausführlich in Self-Efficacy. The Exercise of Control (1997).

Stand: August 2026

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