Neulich bekam ich eine Nachricht von einer Teilnehmerin aus einem Workshop zu Konfliktmanagement. Sie schrieb: „Auch wenn ich heute bei meinem [Konflikt]gespräch unfassbar nervös war, habe ich mich dank deines Seminars gut vorbereitet gefühlt. Ich habe nur gedacht: Ok, was soll’s, das ist es jetzt auch nicht mehr wert. Eines weiß ich aber sicher: Ich muss unbedingt mehr Techniken erlernen, allein für meinen inneren Seelenfrieden.“
Als ich das las, musste ich an den Moment im Seminar denken. Wir hatten gerade über etwas gesprochen, das für Menschen ungewohnt und neu sein kann: Ein Konflikt darf zu Ende sein, auch wenn er inhaltlich nicht gelöst ist. Wer ihn angesprochen hat und merkt, dass es keine gemeinsame Lösung geben wird, darf aufhören. Das ist keine Niederlage, sondern eine Entscheidung.
Während ich das sagte, saß die Teilnehmerin da und hörte zu. Plötzlich war ihr Blick woanders. Etwas war angekommen. Dann fing sie an, schnell zu schreiben, als wollte sie diesen Gedanken festhalten, bevor er sich wieder verflüchtigt. Eine Möglichkeit, die vorher nicht zu sehen war.
Warum ich das erzähle? Weil genau das für mich der Kern meiner Arbeit ist: Situationen so zu sortieren, dass sichtbar wird, was im Chaos untergegangen ist. Niemand muss dabei klingen wie ein Kommunikations-Lehrbuch auf zwei Beinen.
Wenn jemand weiß, was er denkt, was er fühlt und was als nächstes dran ist, dann ist schon viel gewonnen. Nicht gelöst, aber handhabbar.

