Kennen Sie das? Sie haben ein wunderbares Ziel. Sie haben es vielleicht sogar SMART formuliert. Sie haben einen ersten Schritt geplant. Sie wissen, wozu Ihr Vorhaben gut ist. Sie haben sich mit möglichen Stolpersteinen beschäftigt. Sie haben Bücher und Blogs gelesen, Sie haben mit Freunden und Familie gesprochen, Sie sind informiert. Und Sie fangen einfach nicht an.

Die ersten Wochen ist das vielleicht noch gar kein Problem. Sie haben ja Zeit. Und im Idealfall gibt es noch nicht mal eine Frist (außer der, die Sie sich selbst gesetzt haben). Sicherlich kann man doch etwas nachsichtig mit so einem Datum umgehen, schließlich haben Sie ja Ihr Ziel immer noch vor Augen und fühlen sich gut, wenn Sie darüber nachdenken, dass Sie es sich jetzt aber wirklich mal gesetzt haben. Nach ein paar weiteren Wochen möchten Sie langsam keine Fragen Ihrer Freunde mehr dazu beantworten, wie es denn vorangeht. Warum haben Sie es auch überall erzählt? Und dieser Zettel am Kühlschrank mit Ihrem Ziele-Satz ist irgendwie auch langsam nervig. Und noch ein paar Wochen später ist es passiert. Ihr Ziel ist zu einem Mahnmal geworden. Es hat nichts mehr von seiner ursprünglichen Attraktivität, sondern macht einfach nur noch ein doofes Gefühl. Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie sich immer noch nicht darum gekümmert haben. Vielleicht werfen Sie sich auch vor, dass Sie nichts auf die Reihe kriegen. Der Zielesatz wandert in die Mülltonne. Und je nachdem, wie nah die Abgabefrist für die Hausarbeit oder der Termin für das Mitarbeiterjahresgespräch gerückt ist, quälen Sie sich durch die verbleibende Zeit mit dem Wissen, dass Sie es eigentlich besser gekonnt hätten. Sie haben Ihre eigenen Erwartungen nicht erfüllt.

 

Was passiert da mit uns?

Die typische Falle, in die wir tappen, wenn wir uns ein Ziel gesetzt haben, ist, uns selbst mit Ausreden zu versorgen, warum wir (noch) nicht beginnen können oder dürfen.

Sie wollen endlich regelmäßig zum Sport gehen? Und drei Monate später ärgern Sie sich über den Dauerauftrag, der jeden Monat nutzlose 30Euro von Ihrem Konto für das Fitnessstudio abbucht, das Sie genau einmal von innen gesehen haben.

Sie möchten den Termin mit Ihrem Chef vereinbaren, um die langverdiente Gehaltserhöhung zu besprechen? Nachdem Sie mehrere Stunden gegoogelt haben, wie so eine Gehaltsverhandlung für Sie optimal verläuft, welche 10 besten Sätze Sie unbedingt sagen sollten und welchen Zeitpunkt Sie unbedingt vermeiden müssen, gehen Sie nach Hause und verschieben das Gespräch auf einen beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft, an dem Ihre Frisur besser sitzt und die Augen vom Anstarren des Bildschirms nicht ganz so rot sind.

Vermutlich können Sie Beispiele dieser Art aus Ihrer eigenen Erfahrung aus dem Stehgreif um mindestens drei ergänzen. Dabei ist uns völlig klar, dass es wichtig und möglicherweise auch dringend ist, was wir uns da vorgenommen haben. Dass es uns weiterbringen wird, wenn wir es durchziehen. Dass es sinnvoll und richtig ist, dieses Ziel oder Projekt zu verfolgen. Unser Kopf weiß das. Aber zieht der Rest von Ihnen mit?

 

Ihr Gewissen macht im Großen und Ganzen einen tollen Job. Es erinnert Sie sozusagen als moralische Instanz daran, was Sie eigentlich tun sollten. Und zwar basierend auf den Regeln, die Sie ihm bewusst oder unbewusst gegeben haben. Großartig, oder?

Leider läuft die interne Kommunikation nicht immer optimal. Da geben Sie nun ein Ziel vor, haben einen Plan und sind anfangs auch optimistisch gestimmt, dass Sie das schon schaffen. Und plötzlich fängt Ihr Gewissen an zu quatschen: „ Hey, du wolltest das doch schon lange erledigt haben. Warum trödelst du so? Du hast doch gesagt, dass du das schaffst!“ Und das eigentlich gut gestimmte Instrument zur Unterscheidung von Richtig und Falsch wird auf einmal lästig. Es wird „schlecht“ und erinnert uns auf sehr unangenehme Weise daran, dass wir aktuell entgegen den Maßstäben handeln, die wir (oder auch andere!) uns gesetzt haben. In den meisten Fällen haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir etwas NICHT tun, was wir tun sollten, oder etwas tun, was wir eben NICHT tun sollten. Wenn es um Ziele im Leben geht, wird das schlechte Gewissen besonders laut, wenn wir unsere Vorsätze immer wieder aufschieben und einfach nicht anfangen.

Lassen Sie mich Ihnen ein bisschen dabei helfen, Ihre Bedenken und Gründe zu entkräften, warum Sie auf gar keinen Fall mit Ihrem Projekt der Zielerreichung anfangen können. Erlauben Sie sich aus vollem Herzen, Ihren Ausreden und Ihrem schlechten Gewissen Lebewohl zu sagen. Wählen Sie sich einfach einen der nachfolgenden Sätze aus, die Sie am meisten ansprechen und lesen Sie den Text dazu. Und zwar jedes Mal, wenn Sie aufhören, anzufangen.

Meine Aufgabe ist zu groß

Ihre Aufgabe ist also zu groß. Die Menschen waren auf dem Mond. Es war ein riesiges Projekt, aber es war nicht zu groß. Natürlich hat es viele Jahre, tausende Menschen und Milliarden Dollar benötigt, aber es war nicht zu groß. Natürlich sind Ihre Aufgaben kleiner als ein Flug zum Mond. Höchstwahrscheinlich ist das Problem, dass Sie Ihr Projekt als eine riesige Aufgabe sehen, die Sie jetzt und hier beenden müssen. Das ist sicherlich überwältigend. Denken Sie an Ihr Projekt wie an eine Mondlandung. Sie können den Mond nicht hier und jetzt erreichen. Sie brauchen einen Plan, Gelder, Mitarbeiter, müssen eine Rakete bauen und und und. Die Landung selbst ist nur eine kleine Aufgabe am Ende des Projekts. Denken Sie groß für Ihre Ziele und denken Sie klein für Ihre Aufgaben. Sie werden das Ziel mit einer kleinen Aufgabe nach der nächsten erreichen. Ihr Projekt besteht vermutlich aus vielen kleinen Aufgaben, die nicht zwingend nacheinander erledigt werden müssen. Sie möchten fit werden, aber jetzt grade hat das Sportstudio schon geschlossen? Packen Sie Ihre Sporttasche noch heute und stellen Sie sie an die Haustür. Sie können Ihren Chef erst nächste Woche erreichen, um einen Termin zu vereinbaren? Stellen Sie sich jetzt vor den Spiegel und üben Sie Ihre ersten beiden Sätze, die Sie sagen möchten. Kleben Sie sich ein Post-it mit diesen Sätzen an den Kühlschrank.

Welche kleine Aufgabe können Sie JETZT erledigen?

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll

Sie suchen also nach dem richtigen Anfang. Lassen Sie mich Ihnen ein bisschen Zeit sparen.

Aktuell gibt es knapp 7,4Mrd Menschen in der Welt und vermutlich mindestens genauso viele Möglichkeiten, um etwas zu beginnen. Genaugenommen gibt es also gar keinen richtigen Anfang. Verschwenden Sie keine Zeit und Energie darauf, etwas zu suchen, was es nicht gibt. Konzentrieren Sie sich darauf, anzufangen. Jedes Mal, wenn Sie feststecken, fangen Sie an. Die wenigsten Projekte laufen ausschließlich linear. Notieren Sie sich mindestens fünf möglichst kleine Aufgaben, die Sie für Ihr Projekt erledigen möchten.

Und jetzt nehmen Sie die dritte. Fangen Sie an.

 

Ich habe einen Fehler gemacht

Sie haben also einen Fehler gemacht. Das ist schade, aber das ist ok. Jeder Fehler, den Sie machen, hilft Ihnen etwas Neues zu lernen. Wenn Sie aufgrund dieses Gedankens feststecken, bedeutet das vermutlich, dass Sie Angst vor weiteren Fehlern haben. Sind Ihre Bedenken wirklich zielführend? Werden Sie Ihr Ziel schneller oder besser erreichen, wenn Sie aufgrund eines Fehlers aufhören? Fragen Sie sich stattdessen folgendes: Was können Sie das nächste Mal anders machen, um den Fehler zu verhindern? Beenden Sie diesen Satz:

 

Das nächste Mal werde ich….

 

Ich muss fertig werden

Sie müssen also fertig werden. Ein Projekt zu beenden bedeutet, Sie müssen es jetzt und hier fertig stellen. Da Sie sich mit diesem Satz beschäftigen, ist das wahrscheinlich nicht möglich. Und wenn etwas unmöglich ist, dann sollten Sie keine Zeit und Energie darauf verschwenden. Ein Projekt zu beenden ist ein langfristiges Ziel und nicht etwas, was Sie hier und jetzt erledigen können. Stattdessen konzentrieren Sie sich darauf, zu beginnen. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, Ihr Projekt zu starten, nicht es zu beenden.

 

Ich muss perfekt sein

Sie müssen also perfekt sein. Um perfekt zu sein, müssen Sie über Superheldenkräfte verfügen. Die unter uns, die keine Superkräfte haben, können nicht perfekt sein. Der einzige Weg, über den ein Mensch perfekt sein kann, ist perfekt menschlich zu sein, und das beinhaltet nicht perfekt zu sein. Wir stolpern, wir lernen und das macht uns menschlich.

Anstatt sich dafür anzuklagen, dass Sie nicht über Superkräfte verfügen, konzentrieren Sie sich darauf, was wichtig ist: mit Ihrem Projekt zu beginnen. Seien Sie gnädig mit sich selbst. Und bitten Sie Ihre innere kritische Stimme, die Sie zur ständigen Perfektion auffordert, für die Dauer des Projekts in Urlaub zu fahren.

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