Segeln lernt man nicht bei Windstärke 12

Ich bin noch nie gesegelt. Die Vorstellung allerdings, dass man mich ahnungslos bei Windstärke 12 zum Segeln auffordert, macht das Segeln lernen auch nicht reizvoller. Zur Erklärung: bei Windstärke 12 können Dächer abgedeckt, Fenster und Türen beschädigt und größere Gegenstände durch die Luft gewirbelt werden.

Hätte ich in den letzten Jahren, Tagen oder Monaten regelmäßig geübt und eine ungefähre Ahnung von dem, was zu tun ist – dann wäre mir vermutlich immer noch mulmig und ich wäre den Elementen nicht mehr ganz so hilflos ausgeliefert.

In Extremsituationen möchten wir gern auf Wissen und Kompetenzen zugreifen können, die mindestens Experten-, wenn nicht sogar Genielevel haben. Leider – und das ist die nicht ganz so gute Nachricht – werden wir nicht als Allround – Wunderkinder geboren, sondern eignen uns die eine oder andere Fähigkeiten im Laufe unseres Lebens an. In unserem Gehirn sind alle nötigen biologischen Mechanismen zum Lernen lebenslang aktiv.

Um diese Mechanismen zu nutzen, genügt die Geduld, eine Aufgabe nicht auf einmal schaffen zu wollen.  Genauso entscheidend ist es bei Rückschlägen nicht aufzugeben.

Unsere Lernkurve steigt mit jedem Mal Üben konstant an, unabhängig davon, ob wir grade einen Rückschlag hinter uns haben oder nicht. Leider gaukeln wir uns oft vor, dass wir bei  vermeintlichem Versagen  „niemals“ schaffen werden, das Musikstück fehlerfrei zu spielen oder beim nächsten Streit den kühlen Kopf zu bewahren.

Wir vergessen zu leicht, dass wir immer noch auf das Ziel zusteuern und mehr Wissen und Kompetenz im Gepäck haben als vor unserem „Versagen“.

Sie können z.B.  sogenannte „tote Zeiten“ sinnvoll  zum Üben nutzen, z.B. beim Warten an der roten Ampel, an der Kasse im Supermarkt, auf dem Weg zur Arbeit…

Vera F. Birkenbihl nennt diese Zeiten „Sparschweinchen – Zeiten“:  Zeitspannen, die bereits vergeben sind – meist zu wenig, um ernsthaft zu arbeiten, aber zu viel, um nur mit dem Finger auf dem Lenkrad oder Tisch herumzutrommeln. Solche Zeiten kann man für Denkvorgänge zu Themen nutzen, die einem derzeit wichtig sind.

Wenn Sie eine bestimmte Umgebung zum Üben benötigen, und sich einfach nicht aufraffen können, lassen Sie doch einfach das Schicksal entscheiden und würfeln Sie. Fällt eine Eins, Zwei oder Drei, üben Sie 20Minuten. Bei einer Vier, Fünf oder Sechs üben Sie nicht. Und dürfen sich gern kurz wieder als Schüler fühlen, der unerwartet „Hitzefrei“ bekommen hat.

 

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Würfeln und Segeln!