Der Name „Thomas Edison“ ist Ihnen vermutlich ein Begriff. Sie nutzen sogar irgendwo in Ihrem Haushalt selbst eine Erfindung von ihm: überall da, wo Sie eine Glühbirne in eine Fassung schrauben, benutzen Sie dafür ein Edisongewinde, das 1881 von einem der aktivsten und starrsinnigsten Erfinder des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Über 130 Jahre später kommen Sie also immer noch in den Genuss seiner Hartnäckigkeit. Edison war bekannt dafür, die Finger nicht von einem einmal begonnen Projekt lassen zu können. Es gelang ihm, die Voraussetzungen und Infrastruktur dafür zu schaffen, dass die damaligen Leuchtgaslampen durch ein günstigeres und sichereres Stromnetz ersetzt werden konnten. Auf dem Weg entwickelte er nicht nur den Stromzähler, die Glühbirne und die Grundlagen unseres Stromnetzes, sondern plante so umfassend, dass viele weitere Entwicklungen auf der Grundlage seiner Arbeit ermöglicht wurden.

Das sind Informationen, die uns zu seinen Erfolgen vorliegen. Da Edison (vermutlich) auch nicht über Superheldenkräfte verfügte, hatte er, wie wir alle, mit Rückschlägen zu kämpfen. Er bewies bei seinen Forschungen erstaunlichen Starrsinn und trieb seine Partner und Investoren an den Rand der Verzweiflung. Seine Forschungen in seinem selbst eingerichteten Labor Menlo Park hatten zum Ziel „alle zehn Tage eine kleine Sache und alle sechs Monate irgendein großes Ding zu erfinden“. Er hält damit zwei Rekorde: die meisten dokumentierten Fehlschläge und die meisten dokumentierten Patenteinreichungen. Seine Versuche, eine Glühlampe zu entwickeln, sorgten bald für Schlagzeilen und machten ihn unter seinen Kollegen und in der Presse zum Gespött seiner Zunft. Ein Journalist nutzte die Gelegenheit eines Interviews, um den Finger in die vermeintliche Wunde zu bohren und fragte ihn:

„Wie kommen Sie mit den unzähligen Fehlschlägen zurecht?“

Und Edison antwortete mit einem der heute berühmtesten Zitate zum Thema Versagen:

„Es gab keine Fehlschläge. Ich kenne jetzt mehr als 10.000 nicht funktionierende Wege, eine Glühbirne herzustellen.“

 

Wie sein Erfolgsweg endete, wissen wir heute. Edison hat uns da eine großartige Lektion vorgelebt: nämlich alles, was wir aus Fehlschlägen lernen, für ein anderes Ziel zu nutzen und das ursprüngliche Problem erneut anzugehen. Edison formulierte seine Herangehensweise so:

„Wenn ich endlich entschieden habe, dass ein Ergebnis der Mühe wert ist, dann mache ich mich an die Arbeit und versuche es so lange, bis es klappt. Fast jeder Mensch, der eine Idee hat, arbeitet so lange daran, bis ein Erfolg unmöglich erscheint. Dann verliert er den Mut. Doch das ist der falsche Zeitpunkt, um sich entmutigen zu lassen.“

 

In diesem Kapitel geht es also darum, wie wir mit Fehlentscheidungen und Fehlversuchen umgehen können.

 

Wenn es Ihnen so geht wie mir, dann passiert beim „Versagen“ häufig folgendes:

Ich habe mir etwas vorgenommen und es einmal versucht. Es hat nicht geklappt. Vielleicht – aber auch nur vielleicht – versuche ich es auf genau dem gleichen Weg nochmal. Es hat wieder nicht geklappt. Vielleicht – und nur vielleicht – ändere ich etwas und versuche es erneut. Es hat wieder nicht geklappt. Ich lasse es sein und fühle mich schlecht.

 

Schauen wir uns zusammen einmal das für Zielsetzungen immer wieder gern genommene Beispiel „mehr Sport machen“ an.

Sie gehen ins Fitnessstudio. Immer mittwochs, weil Sie wissen, dass Rituale hilfreich sind. In der ersten Woche funktioniert das gut. In der zweiten Woche sind Sie selbstverständlich am Mittwochabend an den Geräten anzutreffen. In der dritten Woche hat Ihre Mutter Geburtstag und Sie können nicht gehen. Sie nehmen sich vor, dafür nächste Woche zweimal zu trainieren. In der vierten Woche arbeiten Sie mittwochs länger und schaffen es nicht mehr rechtzeitig. Einen zweiten Termin am Freitag können Sie nicht wahrnehmen, weil Sie einfach so müde von der Woche sind und jetzt ja sowieso schon zweimal nicht da waren. In der fünften Woche haben Sie vergessen, wo Ihre Sporttasche steht. Jetzt ist es auch schon egal.

Einstein sagte einmal, dass es unmöglich sei, ein Problem mit der gleichen Herangehensweise zu lösen, wie es entstanden ist. Wenn Sie feststellen, dass Sie mit einem bestimmten Sporttag nicht zurechtkommen, macht es wenig Sinn, den Besuch des Fitnessstudios immer wieder für diesen Tag einzuplanen.

Wenn Sie feststellen, dass Sie gar nicht gerne im Fitnessstudio Sport machen, macht es wenig Sinn, noch zwei weitere auszuprobieren, in der Hoffnung, dass es dort besser klappt.

Sie merken, worauf ich hinauswill? Wir haben oft einen Plan im Kopf, der dann aber auch bitte ganz genau so zu funktionieren hat, wie wir uns das im ersten Anlauf vorgestellt haben. Und wenn er das nicht tut – nun, dann haben wir einfach keine Selbstdisziplin, mangelnde Willensstärke, halten nie etwas durch oder finden uns damit ab, auch weiterhin im dritten Stockwerk eine keuchende Pause auf dem Weg nach oben einlegen zu müssen.

Alternativ könnten wir auch einfach mal was anderes machen. Sie legen sich einen Plan zurecht. Und geben sich selbst einen Termin, bis zu dem Sie eine Testphase damit fahren. In der Geschäftswelt ist das gängige Praxis; Verfahrensprozesse werden getestet, bevor sie in einem ganzen Unternehmen Anwendung finden. Stellen Sie sich mal vor, was für ein heilloses Chaos ausbrechen würde, wenn jeder Plan sofort in allen Konsequenzen umgesetzt wird, ohne zu wissen, ob es denn so auch für alle machbar ist!

Ihre Testphase kann je nach Aufwand und Thema unterschiedlich lang sein. Um neue Gewohnheiten einzuführen, empfehle ich Ihnen, das erste Feedbackgespäch mit sich selbst nach ca. 4 Wochen zu führen. Dann haben Sie einen Monat Alltag hinter sich und möglichst viele Informationen gesammelt, was in welchen Situationen machbar ist. Bei kurzfristigen Plänen prüfen Sie jeden Tag, ob Sie noch auf Kurs sind. Schauen Sie genau hin, wenn Sie etwas nicht umsetzen können. Woran liegt es? Die Organisation ist noch nicht ausgereift? Sie haben schlicht keine Lust auf den Ort, die Tätigkeit oder darauf, überhaupt etwas zu tun?

Überlegen Sie, welche Parameter Ihres Plans Sie verändern können.

Sie können sich aus beruflichen oder sozialen Gründen nicht auf einen bestimmten Tag zum Sport festlegen? Deponieren Sie eine Sporttasche im Büro, damit Sie immer gerüstet sind.

Sie mögen keine Fitnessstudios? Melden Sie sich für mindestens 5 Probestunden bei verschiedenen Sportanbietern an: Tanzen, Boxen, Aikido, Yoga, Lauftreffs… Meist sind diese Probestunden kostengünstig zu buchen und Sie finden die Sportart, für die Sie schlechte Laune bekommen, wenn Sie sie ausfallen lassen müssen. Sie finden es so furchtbar öde, eine Stunde auf dem Stepper zu stehen? Verlegen Sie Ihren Freundinnen-Kaffeeklatsch aus Ihrem Lieblingscafe aufs Laufband oder in den Park – und Ihre Freundinnen werden es Ihnen danken. Erweitern oder verkürzen Sie die Frequenz, vielleicht spornt es Sie mehr an, drei Mal pro Woche aktiv zu sein oder es reicht Ihnen aus, nur alle 14 Tage an den Geräten zu trainieren.

Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse ernst, denn nur weil es alle anderen doch auch so machen, muss es für Sie nicht das Richtige sein. Haben Sie den Mut, Ihre Testphase neu zu gestalten.

Sie haben ein, zwei oder mehrere Parameter Ihres Plans geändert? Wunderbar, dann legen Sie wieder einen Zeitraum fest, in dem Sie diese ausprobieren. Schreiben Sie sich den neuen Termin in den Kalender, kleben Sie sich ein Poster an die Küchenwand oder malen Sie sich das Datum auf den Spiegel. Prüfen Sie nach Ablauf der Zeit wieder, ob Sie nun mit Ihrem Plan zurechtkommen oder noch etwas anderes verändert werden muss. Machen Sie das so lange, bis Sie feststellen: Sie tun einfach, was Sie sich vorgenommen haben.

Das ist also das Wie zum Umgang mit Fehlschlägen. Und trotzdem bleibt manchmal ein komisches Gefühl zurück oder es scheint in einem mutlosen Moment alles verloren. Wie Sie mit den unnützen, negativen Gedanken und Selbstvorwürfen umgehen können, lesen Sie im nächsten Beitrag.

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