Entscheiden bedeutet, dass ich eine Vielzahl von Möglichkeiten hinter mir lasse. Sie stehen sozusagen an einer der größten Kreuzungen des Universums und gehen auf einem bestimmten Weg voran.

Für alle, die bei diesem Bild entsetzt einatmen und denken: „Ach je! Und wer sagt, dass der andere Weg nicht besser ist??“: Atmen Sie ganz ruhig weiter. Das Tolle ist: Sie können jeden Weg entweder ein Stück zurückgehen oder zumindest eine neue Abzweigung in eine andere Richtung wählen, wenn Sie feststellen, dass die Routenberechnung noch nicht ganz optimal ist.

 

Trotzdem möchte ich das Argument der Fehlentscheidung nicht vom Tisch fegen. Denn entscheiden heißt, dass ich Möglichkeiten voneinander trenne und nur eine davon auswähle. Die Chance, dass die ausgewählte Möglichkeit nicht zu dem angestrebten Ziel führt, besteht natürlich. Die Frage ist also: Welchen Preis bin ich bereit, dafür zu zahlen, dass ich die anderen Möglichkeiten für den Moment zurückstelle?

Wenn es um berufliche Veränderungen geht, Sie sich also beispielsweise dem freien Arbeitsmarkt zuführen wollen (das bedeutet im Amtsdeutsch, dass Sie kündigen 😉 ), zahlen Sie einen Preis, in der Regel den der vorübergehenden finanziellen Unsicherheit.

Wenn Sie sich für eine selbständige Tätigkeit entscheiden, zahlen Sie diesen Preis ebenfalls.

Wenn Sie sich für ein neues Jobangebot entscheiden, zahlen Sie den Preis, Bekanntes und Bewährtes aufzugeben.

Wenn Sie sich für Job mit bereits bekannten Aufgabenfeldern entscheiden, zahlen Sie den Preis der möglichen Weiterentwicklung in einem unbekannten Aufgabengebiet.

Wenn Sie über eine private Trennung nachdenken, zahlen Sie den Preis, einen gemeinsamen Beziehungsstatus aufzugeben.

 

Die Tücke im System ist hier zu finden: Sie gehen in Vorkasse. Niemand wird Ihnen versprechen können, dass nach der Trennung Ihr Traumpartner an der nächsten Ecke auf Sie wartet. Oder dass sich Ihr Wunsch nach beruflicher Eigenverantwortung genauso erfüllen wird, wie Sie sich das grade vorstellen und ausmalen.

Sie zahlen einen Preis – ohne Bestellbestätigung, ohne Quittung und ohne Lieferdatum.

 

Die gute Nachricht: Sie machen den Weg frei, der Ihnen genau diese Wunscherfüllung ermöglicht. Möglicherweise steht an der nächsten Ecke nämlich wirklich der Traumpartner oder der eine große Auftrag wartet bereits auf Sie, der all Ihre Glückshormone begeistert aufschreien lässt.

 

Sie werden es nicht wissen, solange Sie nicht loslaufen. Jeder neue Schritt bringt auch neue Informationen und damit entweder die Bestätigung, dass der Preis gerechtfertigt war oder die Zweifel, die eine Kurskorrektur nötig machen. In beiden Fällen sind Sie schlauer als vorher und haben sich und Ihre persönlichen Entscheidungskriterien ein bisschen besser kennengelernt. Sie haben auf Ihr Erkenntniskonto neue Daten eingezahlt: was ist Ihnen wirklich wichtig genug, um einen Weg zu verfolgen?

 

Seien Sie also mutig und gehen Sie shoppen. Auch wenn es leider kein universell gültiges Widerrufsrecht gibt.

 

Über die Ausrichtung Ihres inneren Kompass und wie Sie Spaß an Kreuzungen entwickeln können, lesen Sie im nächsten Kapitel.

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