Bingo!

Haben Sie schon mal Bingo gespielt? Nein oder mal irgendwann in grauer Vorzeit? Lassen Sie mich kurz erklären, worum es geht:

Jeder Mitspieler erhält eine Karte, auf der in einer Spalte Zahlen und in der anderen Spalte Buchstaben aufgedruckt sind. Der mittlere Teil der Karte ist in freie Kästchen aufgeteilt. Ein Vorleser zieht nun entweder Kugeln oder Kärtchen aus einer Art Lostrommel und liest die jeweilige Zahlen/Buchstabenkombi laut vor. Die Mitspieler setzen nun ein Kreuz in das Feld, sofern vorhanden, das grade genannt wurde. Ziel ist es, eine volle Reihe waagerecht, senkrecht oder diagonal zu erhalten. Sobald dies gelungen ist, ruft man laut Bingo und freut sich.

Die Regeln sind also recht simpel. Auch wenn Sie noch nie selbst Bingo gespielt haben, kennen Sie vielleicht aus verschiedenen Hollywood-Filmen Szenen, in denen vorzugsweise grauhaarige, schwerhörige Rentner an langen Tischen in einer alten Turnhalle versammelt sind und akribisch Kreuzchen setzen, während sie stricken. Genau dieses Bild hatte ich zumindest viele Jahre in Bezug auf Bingo vor Augen. Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass man gar nicht oft genug Bingo spielen kann.

 

Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit das große Vergnügen, an einer Kreuzfahrt teilzunehmen. Das Highlight des Abendprogrammes während der 5tägigen Reise war – selbstverständlich – der groß angekündigte Bingoabend. Sie können sich vielleicht vorstellen, mit viel Motivation und Elan ich mich auf dem Weg zur Disko auf dem Partydeck gemacht habe, schließlich war Bingo zu diesem Zeitpunkt eher auf meiner persönlichen To – Do –Liste unter „Dinge, die ich mal mache, wenn ich wirklich alles – ALLES – andere getan, gemacht und erlebt habe“ zu finden.

 

Nun, da war ich also, im Halbdunkel bei schummrigen Licht mehr oder minder gemütlich in einen Clubsessel gequetscht, im Hintergrund leise Fahrstuhlmusik, eine Bingokarte auf dem winzigen Beistelltisch und einen Stift in der Hand. Und ertappte mich dabei, dass ich genauso wie alle anderen hypnotisiert auf meine Zahlen- und Buchstabenkombinationen starrte, alle in meiner näheren Umgebung ungeduldig an“pschte“, wenn ich den Vorleser nicht laut genug hören konnte und plötzlich unbedingt gewinnen wollte. Schließlich hatte ich genauso viele Chancen, wie alle anderen auch – ich hatte eine Karte und mehrere Möglichkeiten, die zum Ziel (einem Schnapsglas mit dem Logo der Reederei) führten. Bei jeder übereinstimmenden Kombination wurde ich ein bisschen aufgeregter, schielte immer wieder auf die Karten meiner Nachbarn, um meine Chancen abzuschätzen und drückte mir innerlich feste die Daumen, dass ich die fehlenden Zahlen in meiner Reihe rechts senkrecht noch hören würde, bevor jemand anderes „Bingo“ rief.

Und wissen Sie was? Ich HABE gewonnen und durfte  – zugegebenermaßen etwas übereifrig – laut BINGO rufen! Selten habe ich mich über ein leeres Schnapsglas so gefreut wie an diesem Abend. Und als Symbol steht das Glas auch heute noch in meinem Bücherregal – eine Erinnerung an das  wunderbare Gefühl, das ich an diesem Abend im Moment des Gewinnens hatte.

Auf dem sehr glückseligen Rückweg zu meiner Kabine später am Abend musste ich über mich selbst schmunzeln. Wie konnte ein völlig inhaltsfreies Spiel, das ausschließlich auf Glück und ein bisschen Aufmerksamkeit basiert, so ein Wohlbefinden auslösen?

Unterm Sternenhimmel wurden mir drei Dinge klar:

  • Jeder Mensch freut sich, wenn er etwas erfolgreich abschließt.
  • Es ist so viel einfacher, etwas erfolgreich abzuschließen, wenn ich mich nur darauf konzentrieren muss, das wahrzunehmen und zu benutzen, was ich brauche.
  • Es macht riesigen Spaß, genau zu wissen, wann man fertig ist.

Sie können sich vielleicht vorstellen, dass ich mich ein bisschen albern gefühlt habe, dass ein simples Spiel mir diese Erkenntnisse gebracht hat. Es schien mir plötzlich so offensichtlich, wie einfach ich es mir selbst machen kann, wenn ich mich „nur“ an ein paar Regeln halte. Leider war ich bisher nicht der disziplinierteste Mensch unter der Sonne und habe öfter als mir lieb war zugunsten eines akuten Faulheitsanfalls die Füße hochgelegt statt mich mit meinen Plänen zu beschäftigen. Aber sich darauf freuen, etwas abzuschließen, mich auf den Plan zu konzentrieren und wissen, wann ich fertig bin, das sollte ich doch wohl hinkriegen?

ich fragte mich, ob es denn nicht möglich sein könnte, diese Überlegungen auf all die „Ziele“ in meinem Leben zu übertragen, die ich noch nicht erfolgreich abgeschlossen, eventuell noch nicht mal begonnen oder in völliger Ignoranz mir selbst gegenüber aus den Augen verloren hatte. Nach einer recht nachdenklichen Nacht setzte ich mich an eine persönliche Bestandsaufnahme und siehe da – einige meiner Ziele hatte ich tatsächlich schon völlig unbemerkt erreicht! In manchen Bereichen wusste ich nur, dass ich unzufrieden war, hatte aber keine Ahnung, was ich denn eigentlich wollte. Mir fehlte sozusagen eine Bingokarte. Als ich begann, mir meine ganz eigene Bingokarte mit allen Optionen, die mir so einfielen, aufzumalen, kamen auch direkt schon die ersten Ideen, wo was zu finden sein könnte. Ziele wurden über die nächsten Wochen und Monate klarer; Wege, von denen ich bisher nichts geahnt hatte, taten sich auf. Und jedes Mal, wenn eine Option sich als zielführend erwiesen hatte, setzte ich ein imaginäres Kreuzchen.

Nun gibt es leider im echten Leben niemanden, der uns die Kombination an Ideen und Handlungen zuruft, die wir brauchen, um ein Ziel zu erreichen. Ich vertraue hier fest auf unsere ganz eigene Kreativität und bin unerschütterlich davon überzeugt, dass wir ungeahnte Kräfte frei setzen können und immer wieder neue Wege finden werden, wenn wir ein Ziel klar im Blick haben. Ich höre in meinen Coachings immer wieder die erstaunlichsten Berichte von Menschen, die sich entgegen aller Wahrscheinlichkeiten auf den Weg gemacht haben und angekommen sind.

Ein wunderbares Beispiel sind manche Gewinner aus den unzähligen Castingshows. Die Geschichte von Paul Potts, dem Handyverkäufer mit dem leicht verwahrlosten Äußeren, der sein Ziel zu singen über den unwahrscheinlichen Weg einer Castingshow gefunden hat, ist mittlerweile weltbekannt.

Die alleinerziehende Mutter, die, in Ermangelung von Geld für Bücher, ihren Kindern selbst erfundene Geschichten erzählte und auf einer Zugfahrt den bekanntesten Zauberlehrling aller Zeiten in sich entdeckte, kennen Sie vermutlich unter dem Namen J.K.Rowling.

Geschichten von Menschen, die außergewöhnliche Wege gehen, um Lösungen für ihre Probleme zu finden und um ihre Ziele zu erreichen, zeigen uns eins: auch wenn wir nicht alle Bücher schreiben oder singen werden, steckt dieser Funke Kreativität, Motivation und Hoffnung auf ein gutes Ende doch in allen von uns. Es liegt an uns, wie wir ihn entfachen.

 

Nicht für alle von uns ist eine Bingokarte der passende Weg, um sich über seine Ziele klar zu werden und sie zu verfolgen. Deshalb erfahren Sie in den nächsten Kapiteln viel über weitere erprobte Techniken, die Sie je nach Geschmack und Vorlieben auf Ihrem Weg zum Glück unterstützen können. Probieren Sie aus, wann Sie am liebsten Bingo rufen möchten. Schließlich gibt es hunderte von Möglichkeiten, die nur darauf warten, von Ihnen angekreuzt zu werden.

Ich rufe übrigens auch heute noch Bingo, wenn ich ein Ziel erreicht habe. Meist nur sehr leise und für mich, um meine Umgebung nicht allzu sehr zu irritieren, aber die Freude und den Genuss des „Abschließens“ möchte ich nicht unbeachtet verstreichen lassen.

Bingo ist immer noch eines meiner Lieblingsspiele. Leider finden sich meist nicht allzu viele Menschen, die den tieferen Sinn hinter dem Ankreuzen von leeren Feldern mit mir teilen. Wenn Sie also eine Bingogruppe in Ihrer Umgebung ins Leben rufen möchten, laden Sie mich bitte unbedingt ein. Ich verspreche auch, wirklich nur dann Bingo zu rufen, wenn es stimmt. Ehrlich!

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